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Club Gretchen – Berlins erste Adresse für Leftfield-Beats?

Autor: RAOUL KRANZ | 2.1.2015 |
Club Gretchen – Berlins erste Adresse für Leftfield-Beats?

Mit dem Gretchen hat sich seit dem Winter 2011 ein neuer Club fest ins Berliner Partytreiben eingenistet. Die Macher hinter der Location sind allerdings keine Unbekannten, betrieben sie jahrelang das Icon im Prenzlauer Berg. Als im mittlerweile gutbürgerlichen Berliner Viertel erste Nachbarschaftsstreitereien aufkamen und immer mehr Läden schließen mussten, entschloss man sich, an andere Stelle unter neuem Namen mit erheblich komfortableren Räumlichkeiten weiter zu machen. Inhaltlich ist man sich zum Glück treu geblieben: Die Mission lautet noch immer, Berlins erste Adresse für Leftfield-Beats aller Spielarten zu sein.

Mutig bedient der Club mitten im Mekka der trübsinnigen House-Musik und des schweißtreibenden Keller-Technos ganz andere musikalische Vorlieben für elektronische Klänge. Wer auf ausgefallene Experimente, verworrene Beats und innovative Genrefusionen steht, kommt in den ehemaligen preußischen Stallungen erheblich häufiger auf seine Kosten, als in den angesagten Berliner Konfetti-Schuppen.

Von Elektro, Electronica und Dubstep über IDM, Glitch und Avantgarde finden sich quasi alle im globalen Bassmusik-Kosmos vertretenen und angesagten Stile im breit gefächerten Booking des Clubs wieder. Auch Independent, Folk, Jazz und Indietronics gibt es im Gretchen regelmäßig als Live-Konzert zu genießen.

Wo Königin Victoria von Großbritannien und Irland bereits 1854 mit ihren Pferden kuschelte, wird heute im modern-rustikalen Clubambiente ausgelassen zu allerlei ausgefallener elektronischer Musik gefeiert. Mitten in Kreuzberg in der Obentrautstraße zwischen Mehringdamm und Halleschem Tor, beziehungsweise Bio-Supermarkt und obskurer Neonlicht-Bar, ist das von außen unscheinbare Gretchen zu finden. Im Innern treffen hohe Mauergewölbe und schlanke Säulen auf ein kahles Interieur und etwas helle Lichtinstallationen. Ein kleiner zweiter Raum, drei Bars und große Toiletten im Obergeschoss entzerren das Partygeschehen bei großem Andrang nur mäßig, weil ein Teil der Tanzfläche leider genau dazwischen liegt.

Die Getränkepreise sind normal, der Eintritt für Partys liegt bei den heute gängigen 8-14 Euro. Neben den eigenen Veranstaltungen gastieren regelmäßig allerlei Partyreihen. „Appetite“ steht für Zukunftsbeats mit Hip-Hop-Anleihen, „[P]raise The Bass“ eher für prolligen Dubstep, „Recycle“ für den guten, alten Drum'n'Bass. Allerlei Underground-Größen und Experimental-Ikonen mit Rang und Namen haben dem jungen Club bereits die Ehre erwiesen – eine Aufzählung würde nach den nicht einmal vier Jahren den Rahmen sprengen...

Bar vom Club Gretchen

Anstatt die nächste Bretterbude aus dem Nichts zu zaubern und Touris mit Lokalhelden abzuzocken, versucht sich das Gretchen an einem anderen Ansatz. Dabei lockt der Kreuzberger Schuppen allerlei Newcomer und Genre-sprengende Visionisten von Morgen in die Hauptstadt. Das erinnert auch an das leider schon länger geschlossene Horst Krzbrg, das sich ja nur einen Block weiter befunden hat, und mundet mir persönlich ausgezeichnet.

Nur schade, dass die Nächte im Gretchen teils ein sehr durchwachsenes Publikum anziehen. Schön ist es nicht zu sehen, wie sich von mir sehr geschätzte Musiker mit einem undankbaren Abiball-Publikum auf ihrem erstem Vollrausch abmühen müssen. So kommt es mir jedenfalls manchmal vor. Die unliebsame Diskussion über die Vor- und Nachteile restriktiver Türpolitik oder pöbelnder Touris möchte ich an dieser Stelle nicht führen. Nur bemerken, dass auch ein erstklassiges Programm keinen gelungenen Abend garantiert und ein gelungener Abend im Gretchen zumindest für Berliner Verhältnisse sehr früh vorbei sein kann. Andererseits erinnere ich mich noch gut an den Abend oder wohl eher den Morgen, an dem ich mit nur einer handvoll übriggebliebener und begeisterter Gäste in den Genuss eines quasi privaten Live-Sets von Machinedrum kam. So was erlebt man auch in Berlin nicht alle Tage...

Weitere Infos:

http://www.gretchen-club.de/

 

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Freier Autor
Autor: Raoul Kranz Freier Autor
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