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Konzept Feuerpudel: Die etwas andere Berliner Lesebühne

Autor: KATJA THIEDE | 28.7.2014 |

Konzept Feuerpudel: Die etwas andere Berliner Lesebühne

Berlin hat Talent. Klar. Die Stadt zieht Künstler an. Und Selbstdarsteller. Im Idealfall mischt sich beides in einer Person. Sprich: Jemand hat Talent und kann dieses so öffentlichkeitswirksam nach außen tragen, dass die Früchte seiner Tätigkeit ihm früher oder später auch eine sanierte Altbauwohnung mit Stuck und Dielen in Neukölln oder Friedrichshain bescheren.

Doch was ist eigentlich mit denen, die zwar viel Gutes schaffen, deren Werke aber nie die Wärme des ofenbeheizten Weddinger Hinterhofzimmers verlassen? Gerade wer sich der schreibenden Kunst verschrieben hat, gehört ja oft nicht zur klassischen „Marke Rampensau”. Das ist gut. Und schade zugleich. Denn vieles, was die scheuen Literaten zu Papier bringen, lohnt sich gehört zu werden. Das dachten sich auch drei Studierende der Kulturwissenschaften und riefen 2010 das „Konzept Feuerpudel“ ins Leben: die erste Lesebühne für schüchterne AutorInnen. Die Idee: Texteschreiber lesen ihre Werke nicht selbst, sondern lassen sie vorlesen. Von Diether Karbow, einem der Initiatoren des Projekts. An jedem ersten Dienstag des Monats bringt er im „Koffer“ in Neukölln neun Texte auf die Bühne – für viele Autoren eine Art Feuertaufe, hören sie ihre Ergüsse doch zum ersten Mal in der Öffentlichkeit und erleben die Reaktionen des Publikums aus nächster Nähe.

Der Ablauf beim Konzept Feuerpudel ist immer gleich. Jeder Schreiber kann vorab Texte einreichen – per Post, E-Mail oder persönlich. Erlaubt ist alles, was sich zu Papier bringen lässt, angefangen bei Kurzgeschichten und Gedichten über Blogbeiträge und Slam-Texte bis hin zu Auszügen aus wissenschaftlichen Arbeiten und Romanen. Einzige Vorgabe: Die Texte dürfen nicht mehr als fünf Minuten Lesezeit in Anspruch nehmen. Sexistische oder rassistische Abhandlungen sind ebenfalls tabu.

Mittels Losverfahren wählt das Pudel-Team neun Texte für die anstehende Lesung aus, die dann in drei Durchgängen von Diether Karbow auf der Lesebühne vorgetragen werden – ohne Nennung der Autorennamen versteht sich. In den Pausen ist Zeit zum Austausch. Wie sind die Texte angekommen? Für die Schreibenden die Chance, aus der Anonymität heraus Reaktionen auf ihre Texte einzufangen. Nach dem dritten Durchgang erfolgt die Publikums-Abstimmung im – natürlich erneut anonymen – Verfahren mit Murmel. Anschließend werden die drei beliebtesten Texte des Abends bekannt gegeben, kombiniert mit der Frage, ob sich die Autoren im Publikum befinden und sich zu erkennen geben möchten. Wer den Sprung durch den Feuerreifen auf die Bühne wagt, wird mit einem Buch und Wein belohnt. Und natürlich jeder Menge Ruhm und Ehre.

AutorInnen, die sich trauen und ihren Texten aus fremdem Munde lauschen möchten, können diese an poetry@dunst-kreis.de schicken. Mit ein bisschen Glück schafft es das Werk beim nächsten Konzept Feuerpudel auf die kleine lauschige „Koffer“-(Lese-)Bühne – und in die Ohren und Herzen der Zuschauer.

„Konzept: Feuerpudel“

jeden ersten Dienstag des Monats im „Koffer“, Fuldastraße 31

http://www.koffer-bar.com/

Mehr Infos zum Feuerpudel unter http://www.dunst-kreis.de/

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Freie Autorin
Autor: Katja Thiede Freie Autorin
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