GROUPON GUIDE BERLIN

Bohème Sauvage oder Einmal Zeitreisen, bitte

Autor: SABINE WIRSCHING | 19.11.2014 |
Bohème Sauvage oder Einmal Zeitreisen, bitte

In Berlin kann man alles haben: Das gilt nicht nur für die Currywurst nachts um halb 3, sondern auch für Zeitreisen in die Goldenen 20er Jahre. Letztere gibt es seit 2006 alle paar Monate in Form der mittlerweile schon legendären Bohème Sauvage.

„Eine Hommage an das Berliner Nachtleben der Zwanziger Jahre“ ist das Motto dieser Partyreihe. Und damit es auch eine echte Verneigung vor der wohl wildesten Zeit der Hauptstadt wird, geht es dabei vom Scheitel bis zur Sohle um Authentizität.

Der Spaß beginnt also schon bei der Auswahl der passenden Kleidung: Mit modernen Klamotten wie Jeans und Turnschuhe kommt man garantiert nicht am strengen Auge der Einlasser vorbei – aber wer zur Bohème Sauvage will, nimmt die optischen Kriterien nur zu gern ernst. Kitschige Plastefummel oder Karnevalskostüme, schrille Perücken oder sonstwie nachgemachte Accessoires kommen da einfach nicht in Frage – stattdessen kleidet man sich stilecht ein. Entweder Second Hand oder gleich vom professionellen Kostümverleih wie etwa Bonnie & Kleid in der Gneisenaustraße.

Boheme Sauvage © Ines Klughardt

Mit der Garderobe wird auch die Rolle gewählt, die man nun für einen Abend spielen will: ob finsterer Mafiosi, galanter Gigolo, frivoles Moulin-Rouge-Revuegirl, dekadenter Dandy oder flinke Charleston-Tänzerin, hier ist alles möglich. Hauptsache keck und adrett.

Und wenn dann die Smokey Eyes düster genug sind, die Wasserwellen gelegt, die Hosenträger so schneidig sitzen wie die Schiebermütze, Frack und Zylinder top in Form sind und die Perlenketten matt überm feinen Abendkleid schimmern, kann es losgehen.

Hat man dem prüfenden Blick des Einlassers standgehalten, erwartet einen in den geschmackvoll hergerichteten, wechselnden Locations ein wahres Babylon mit allen Finessen: Mit seinem inflationär großzügigen Willkommensgeld von 50 Millionen Reichsmark kann man sich entweder gleich an den Spieltischen ins Black-Jack- und Pokerspiel stürzen – oder bei einem Gläschen Absinth erst einmal die bunte Menge auf sich wirken lassen: Denn es wimmelt nur so vor weichbehüteten Ganoven, Federboa-Divas und hochgewachsenen Burlesque-Damen mit verdächtig tiefen Stimmen – Lumpenclowns, rückenfreie Kleider, skandalöse Ausschnitte und Po-Dekolletés, wohin man auch blickt.

Dazu gibt es ganz im verruchten Sinn der Zeit verschwiegene Separées für kleine Abenteuer, bewegte Bilder und weitere Amusements – zum Beispiel in Form eines Tanzkurs, zauberhafter Burlesque-Shows, Live-Bands und natürlich heißer Tanzmusik vom Grammophon.

Elsa Edelstahl © Sera Cakal

Dementsprechend glüht die Tanzfläche: Unter dem sanften Licht der Kronenleuchter wirbeln die Paare mit Swing, Charleston und Lindy Hop umeinander. Da wird geswingt, gebounced und getriple-stepped, was das Zeug hält. Schon allein vom Zuschauen wird einem ganz beschwingt im Kopf. Aber beim Zuschauen bleibt es in der Regel nicht, hier wissen die Herren nämlich noch, was sich gehört: Mit einer Verbeugung (mindestens!) oder einem förmlichen Handkuss (schon besser) wird hier zum Tanz aufgefordert.

Danach ist man von dem wilden Wirbel und der abschließenden Grünen Fee nicht nur beschwingt und leicht beschwipst, sondern schon fast schwindelig. Zeit, die feinen Schühchen unterm Tisch dezent abzustreifen und ein wenig zu bedauern, dass der elegante Tanzpartner vermutlich kein schickes Automobil vor der Tür hat – sondern einen bestenfalls per BVG-Umweltticket heimgeleiten kann.

Boheme Sauvage

Bonnie und Kleid

Kostümverleih und Second Hand Mode

Gneisenaustraße 9

Berlin-Kreuzberg

Weitere Infos:

http://www.youtube.com/watch?v=kSFOPbtnF-c

http://www.boheme-sauvage.net/

Bild 1:  (c) Christian Schjolberg

Bild 2:  (c) Ines Klughardt

Bild 3:  (c) Sera Cakal

 

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Autor: Sabine Wirsching Rocknroulette
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