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Chesters – Vom Jazz-Gedudel zum neuen Geheimtipp für brachiale Bässe im Herzen Kreuzbergs

Autor: RAOUL KRANZ | 23.10.2014 |
Chesters – Vom Jazz-Gedudel zum neuen Geheimtipp für brachiale Bässe im Herzen Kreuzbergs

Schmuddelige Bars mit DJ-Pult und kleiner Tanzfläche gibt es in Berlin Kreuzberg mehr als Touristen im Sommer. Meist steht dabei allerdings die Bar im Vordergrund und die musikalische Beschallung ist ein netter Nebeneffekt, wenn überhaupt durch die schlechten Soundsysteme vernehmbar. Als Musiker und DJ kriege ich bei so etwas immer sofort Mitleid mit den Alleinunterhaltern und verschwinde, so schnell, wie es eben geht. Aber ich bin einfach auch kein Typ für Bars.

Im Chesters sind diese Umstände zum Glück umgekehrt. In einem Hinterhof direkt am Görlitzer Park in der Glogauer Straße 2 ist der Schuppen gelegen, also zwischen den beiden wohl hipsten Vierteln Berlins, Kreuzberg und Neukölln. Deshalb eignet sich das Chesters auch perfekt, um irgendwann weiterzuziehen oder nach einer langen Nacht zu versacken. Schließlich gibt es in nächster Nähe mehr als genug Kneipen, Cafés und Bars. Auch zum Techno-“Strich“ in der Revaler Straße in Friedrichshain oder anderen ehemaligen Ost-Bezirken mit ihren vielen Clubs ist es dank bester U-Bahn-Anbindung nur ein Katzensprung.

Das Innere des Chesters erinnert mich irgendwie an eine verruchte Rotlicht-Spelunke in einer trostlosen Ecke der USA. Dafür sorgen alte Ledersofas, eine verdammt lange Theke und schummrige Beleuchtung. Das massive Soundsystem mit kräftigem Subwoofer stellt auf den wenigen Quadratmetern beste Bedingungen her, um hübsche Bootys wackeln und interessierte Musikliebhaber zappeln zu lassen.

Das Chesters war und ist unter der Woche nach wie vor eine der Adressen in Berlin für Live-Musik von Jazz über Folk und Country bis hin zu härterem Rock. Seit einigen Monaten überrascht der kleine Laden am Wochenende mit einem hochwertigen Programm im Gefilde der elektronischen Bassmusik.

Chesters Club Dancefloor by Robert Herhold


Wer schon länger in Berlin feiert, den dürfte das allerdings gar nicht verwundern. Denn der legendäre 90er-Afterhour-Club Turbine hatte hier einst sein Zuhause, genau wie der KitKatClub, der bekanntlich besonders experimentierfreudigere Gäste anlockt. Aus dieser Zeit stammt auch noch die Schleuse. Die lässt keinen Pieps des teils brachial lauten Treibens in den ruhigen Innenhof schallen und muss man meines Erachtens unbedingt mal gesehen haben. Ich finde es auch verdammt schön, dass in Zeiten von ständigen Nachbarschaftsstreitereien und dem damit verbundenem Club-Sterben eine Ur-Location mit einem ganz ähnlichen Spirit wiederbelebt wird.

Für gelungene Beschallung jenseits der Glitzer-Housemusik sorgt unter anderem die Shlomp-Crew. Mit starken Residents und illustren Gästen wie Teeth und Desto stehen experimenteller Grime, Footwork-Fusionen und vertrackte Bassmusik im Fokus. Aber auch Juke-Nachwuchs DJ Paypal, Experimental-Ikone Lukid und Trap Masters, die deutsche Antwort auf Trap-Größen wie TNGHT oder Diplo, gaben sich hier schon die Kante.

Die Getränke- und Eintrittspreise sind mehr als fair. Auch bei Partys mit namhaften DJs ist man immer mit maximal 5 Euro dabei. Das schmuddelige Nachtclub-Flair und die verschachtelte Raumaufteilung sorgen für eine intime Party-Stimmung, die nichts mit Großraum-Dissen oder den größeren „Underground“-Clubs der Hauptstadt gemeinsam hat.

CHesters Club Eingang by Robert Herhold


Im Chesters kann man schnell ins Gespräch kommen, dem DJ ohne Weiteres über die Schulter schauen oder auch einfach in Ruhe auf einem Sofa versacken. Ich bin auf jeden Fall gespannt, was aus dem vielversprechenden elektronischen Wiederbeginn wird, und würde darauf wetten, dass sich der unscheinbare Hinterhof-Laden innerhalb weniger Monate zu einem echten Geheimtipp entwickelt...

© alle Bilder: Robert Herhold

Weitere Infos:

Chesters Live-Musik: http://www.chesters-live.de/

Club: http://chestersberlin.tumblr.com/

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Autor: Raoul Kranz Freier Autor
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