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Der Fotoautomat oder Die Analogie der Vergänglichkeit

Autor: SABINE WIRSCHING | 12.9.2014 |
Der Fotoautomat oder Die Analogie der Vergänglichkeit

Manchmal braucht es nur ein einziges Wort, um die Menschheit in zwei Seiten zu spalten. Für die einen ist es die sicherste Möglichkeit, sich lächerlich zu machen – für die anderen das längste Vergnügen der Welt: „Selfie“ wurde vom Oxford English Dictionary zum Wort des Jahres 2013 ernannt und bezeichnet „ein Foto, das jemand von sich selbst macht – typischerweise, um es in sozialen Netzwerken wie Twitter oder Facebook hochzuladen“.

Allerdings gibt es hier feine Unterschiede: Eine halbe Stunde posen und aus 298 Schnappschüssen den auswählen, der dann mit Hipstergram aufpoliert und überall gepostet wird, das kann jeder. Aber alle, die „Die fabelhafte Welt der Amélie“ gesehen haben, wissen, dass das nicht das Wahre ist.

Denn fabelhafte Selfies – vorzugsweise mit Freunden – macht man analog, in Fotoautomaten. Und zwar diesen guten alten Schwarz-Weiß-Rumpelkisten, wie man sie ausgehend von der Warschauer Straße mittlerweile an allen möglichen Berliner Straßenecken findet .

Fotoautomat Berlin

Und so funktioniert es: 2 Euro einwerfen, sich mit wahlweise ein bis sechs Leuten auf den abgeschrappten Hocker quetschen, Vorhang zu und dann sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt: Klassische Pärchen-Kussphotos, Party auf 2x2x1 Meter mit Konfettiregen und Luftschlangen oder Körperkunst à la Amélie.

Insgesamt passen vier verschiedene Motive auf einen Streifen – und bis der rauskommt, dauert es. Und dauert. Dabei fragt man sich, ob der wie ein Aktenvernichter jodelnde Blitzkasten die Bilder wirklich gerade herstellt oder eher in seinem Höllenschlund zerfetzt. Abschließend wird der noch feuchte Streifen vorsichtig trockengepustet. Und hingebungsvoll bestaunt – denn diese alten Automaten machen meist etwas ganz Eigenes aus den Bildern: Mal sieht man aus wie mumifiziert, mal hat man sich offenbar mit Ochsenblut geschminkt und mal ist man umwerfend schön. Ganz ohne Photoshop.

Allerdings lässt sich beobachten, dass das Phänomen der analogen Zufallsphotografie nicht nur Fans hat. „Kann man hier keine Bilder aussuchen?“, nörgelt ein Schwarm 13-jähriger Pummelfeen, die nach uns den Automaten stürmen. „Und guck mal, die warten immer noch auf ihre Photos!“ Ja, seit geschlagenen drei Minuten und mit wachsender Vorfreude.

„Ist doch langweilig“, lautet der letzte Ausspruch zum Thema. Ach Kinners, ihr versteht das nicht. Geht doch lieber wieder ein schönes Duckface machen, ja?

Fotoautomat Berlin


Fotoautomaten in Prenzlauer Berg:

Schönhauser Allee 63, Prenzlauer Allee 44
Fotoautomaten in Mitte:
Alte Schönhauser Straße 60, Oranienburger Straße 35/36
Fotoautomaten in Kreuzberg:
Köpenicker Straße 50/52, Moritzplatz, Kottbusser Tor, Schlesische Straße/ Falkensteinstraße, Zossener Straße 29
Fotoautomaten in Friedrichshain:
Revaler Straße 2, Warschauer Straße 60, Warschauer Straße/ Revaler Straße

http://www.photoautomat.de/index.html

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Autor: Sabine Wirsching Rocknroulette
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