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Ghettobeachen am Elbstrand in Wilhelmsburg

Autor: JANNY SCHULTE | 3.9.2014 |
Ghettobeachen am Elbstrand in Wilhelmsburg

Wayne Lawrence, der U.S. Fotograf, der unter Anderem im New York Times Magazine, Le Monde und der Marie Claire publiziert, hat eine hervorragende Fotostrecke über die Badegäste des Orchard Beach, der sogenannten Riviera der Bronx, produziert. Hier tummelt sich ein recht bizarres und dabei sehr menschliches Völkchen, das einen Tag am Wasser verbringt.
In unserer heutigen Zeit scheint der Ausspruch „The grass is always greener on the other side“ aktueller denn je zu sein. Sieht man die Bilder von Lawrence denkt man sich sofort: ey geil, die Bronx, New York und so, da muss ich unbedingt mal hin, erst dann bin ich so richtig cool. Facebook, Instagram und vielen weiteren gesellschaftlichen Phänomenen sei es gedankt, reicht es heutzutage nicht mehr aus, mit dem Wohnmobil entspannt nach Italien zu zuckeln, nein, unter Südafrika, mit Safaritour durch die Townships inklusive Handshake mit so richtigen Locals geht gar nichts mehr. Das Ganze wird dann umgehend (aahhhh kein Internet, aaaahhhh ich sterbe!), verfiltert, und im stundentakt gepostet, damit die Freunde zu Hause auch ja mitbekommen, was für ein geiles Leben man führt.
Logisch und konsequent weitergedacht kommt man an einen Punkt, der einem Rätsel aufgibt: Warum fand man Dia-Abende früher so verdammt scheiße und heutzutage zahlt man noch Geld dafür, sich den Ego-Nervkram von anderen Leuten reinzuziehen? Well, es ist wie´s ist, und solange die Menschen dabei Pharell-mäßig „Happy“ sind, soll es einem recht sein.

Elbstrand Wilhelmsburg

Eigentlich hat das ganze auch seine guten Seiten. Während der Rest der Hipster-Society damit beschäftigt ist, alles und jeden around-the-world zu verinstagrammen, kann man schön gemütlich die Sehenswürdigkeiten vor der eigenen Haustür erkunden. Schon mal mit dem roten Doppeldecker durch Hamburg gefahren? Schon mal einen Ausflug zur Kirsch-und Apfelblüte im Alten Land gemacht? Schon mal am Campingplatz am Falkensteiner Ufer gezeltet? Nicht? Na Zeit wird’s, denn warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah?! Ja, ist ein alter Oma-Spruch, aber neben vielem, was man ja sein lassen kann, haben so Sprüche auch ihre Berechtigung.
Wie beispielsweise die zu Beginn erwähnte Fotostrecke. So Ami-Rapper mit viel Bling-Bling und heißen Bräuten, die nicht bis drei zählen können, bewundern wir in ihren Videos, aber wenn Murat und Aishe mit ihren fünf Kindern neben uns den Grill anschmeißen, kommt der Blockwart in uns durch. In New York finden wir so etwas total cool und megahip, aber auf die Idee, dass es den besten Ghettobeach aller Zeiten direkt am Elbstrand in Wilhelmsburg gibt, darauf kommen wir nicht.
Sei vielleicht noch erwähnt, dass es wirklich Sandstrand ist, der einen da erwartet, mit kleinen abgegrenzten Buchten und man auch richtig baden kann, vorausgesetzt man achtet ein bisschen auf die Strömung und schwimmt nicht weiter raus als die Sicherheitsboje. Ansonsten gibt es hier viele lärmende Kinder, viel Rap aus Handylautsprechern und den ein oder anderen Pitbull, der darauf wartet, dass er dein Kind anfallen kann, nein Scherz, die haben es eher auf die Würstchen vom Grill abgesehen.

Elbstrand Wilhelmsburg

Die S3 & S31 fahren regelmäßig, aber nicht weiter störend, auf der angrenzenden Hängebrücke vorbei, damit man auch nicht vergisst, dass man sich eigentlich immer noch in der Großstadt, a.k.a. „ the concrete jungle“, befindet. Jeder ist hier herzlich willkommen, schließlich ist Wilhelmsburg, mit Bewohnern aus über hundert verschiedenen Nationen, das Multikulti-Phänomen schlechthin. Also fröhlich die Badehose eingepackt und auf nach Wilhelmsburg. Wem das immer noch zu ungeil in seiner Vita erscheint, kann ja nach New York fahren und uns auf den Bildern auf Facebook markieren, dass wir auch ja nicht verpassen dass sie da sind. Von uns gibt es leider kein Bild, denn ach Du scheiße, wir haben das Handy heute zu Hause gelassen und genießen einfach mal das Leben so wie es ist.

Anfahrt:
S3 oder S31 nach Wilhelmsburg
152er Bus nach Friedhof Finkenriek

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Autor: Janny Schulte Freie Autorin
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