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Höfische Gesellschaft fehl am Platz – Narrenfrei im Ritter Butzke

Autor: JENS HOHMANN | 27.2.2015 |
Höfische Gesellschaft fehl am Platz – Narrenfrei im Ritter Butzke

Butzke ist fett!“ Das ist es was man allerorten zu hören bekommt. „Die Atmosphäre wird dich umhauen, die Location ist genial!“ In der Tat ist es für einen Club einzigartig, dass ihm das gesamte Gebäude auf dem Gelände der ehemaligen Aqua Butzke Werke, samt den Hinterhöfen gehören, und seit 2009 konstant für wilde Feiereien benutzt werden kann. Verwirrend ist dies besonders, wenn man von einem Floor zum nächsten (es gibt drei) will und auf einmal vom Morgengrauen beschienen, orientierungslos und am eigenen Geisteszustand zweifelnd, durch den Hof schwankt. Nahe am U-Bahnhof Moritzplatz gelegen, lässt es sich aber leicht hin- und wieder wegtorkeln. Betrittst Du den Ritter, kommst du so schnell nicht mehr heraus, und willst es wahrscheinlich auch nicht, denn man muss lange anstehen und der Spaß ist auch recht teuer. An guten Abenden ist es nur eine halbe Stunde Wartezeit, an schlechten sprengt man auch mal die eineinhalb Stunden Marke. Der Eintritt liegt gemäß bei 10-15 Euro, je nach Event.

Das Schöne am Ritter Butzke sind die verschiedenen Räumlichkeiten, die alle von der Aufmachung her anders sind. Man fühlt sich ein wenig wie in einem rustikalen Labyrinth, manchmal wie in einer Grotte, oft wie in einem Saloon. Die voneinander getrennten Floors werden mit unterschiedlicher Musik berieselt, die immer irgendwo zwischen House, Electro und Minimal angesiedelt ist. Die Konstant-Bespieler des Clubs sind zum Beispiel David Dorad, Kuriose Naturale, Mario Aureo oder Madmotormiguel. Früher, noch bevor der Ort ein fahrender Ritter war und sich keinem Hofe verschrieben hatte, trugen Troubadoure unter den Namen Bachstelzen, Neurocomic oder Pyonen vor. Das Publikum ist bunt gemischt: von waschechten Hipstern, frisch zum Ritter Geschlagenen, Kreuzbergen, Alternativen, bis hin zu solchen, die so aussehen als könnten sie hinein gehören, tummelt sich hier alles, was für etwas länger abtauchen will. Das Ritter Butzke ist eine eigene Welt, die einen einmal gefangen, schwerlich wieder ausspuckt. Hier liebt man Themen-Parties. Also wieso nicht mal ohne Schuhe tanzen gehen, oder in den kitschigen Polstersesseln versinken, während vor einem Masken in die Luft geworfen werden? Vor allem im Sommer, wenn im Innenhof die Kohle in den Grillpfannen glüht und es legga brutzelt, die Nächte länger werden und die Meute aktiver, beginnt es auf dem Gelände vor Leben nur so zu sprühen. Auch trotz der etwas teureren Getränkepreise und nur zwei Sorten Bier. Für Stärkung kann man an der hauseigenen Snackbar sorgen, allerdings werden morgens liebevoll zubereitete Frühstücksschnitten verteilt.

Ganz besonders feierlich, verrückt, burlesk, freakshowartig und surreal wird es dann, wenn das Butzke mit anderen Künstlerkollektiven kollaboriert. Der 300Grad Wanderzirkus beispielsweise lässt Geist und Körper abheben. Artisten werfen sich in ihre Kostüme und so hüpfen Harlekin, Akrobat, Schlangen Ladys, Feuerspucker und Stelzenläufer zwischen den Gästen umher. Ein gar wunderbares Durcheinander aus schräger Deko, die den Ritter innerlich in ein orientalisches Paradies, oder ein Wunderland verwandeln, begrüßt die Ankömmlinge, zwischen kuriosen Attraktionen. Der Berliner mag es ja, wenn es etwas kindlich wird. Die ganzen Großstadtkids wurde ja von ihren Eltern nicht in den Zirkus geschleift, sondern beim Klavierunterricht abgeladen, da haben die in puncto BUNT noch so einiges nachzuholen.

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Autor: Jens Hohmann The Club Map
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