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Komische Oper Berlin - gar nicht komisch, sondern große Kunst

Autor: JENS HOHMANN | 7.4.2015 |
Komische Oper Berlin - gar nicht komisch, sondern große Kunst

Berlin ist jetzt nicht gerade als große Opernstadt bekannt, das Theater war hier von je her stärker vertreten. Trotzdem gibt es heute drei renommierte Opernhäuser, die Deutsche Oper, die Staatsoper Unter den Linden und die kleinste, die Komische Oper.
Die Komische Oper hat eine bewegte Geschichte: Bis 1944 war sie das Theater Metropolis, in dem in den zwanziger Jahren gefeierte Revuen stattfanden. Das Theater wurde von den Nazis geschlossen, aber später wiedereröffnet, um regimekonforme Kunst zu zeigen. Zum Ende des Krieges fiel das Gebäude einem Bombenangriff zum Opfer, der Zuschauerraum blieb aber erhalten.

Komisch? Keineswegs, hier geht’s um Frankreich

Schon 1947 wurde dann die Komische Oper Berlin eröffnet. "Komisch" hat übrigens nichts mit lustig oder Kabarett zu tun, der Begriff lehnt sich an die französische Gattung der Opéra comique an. Die Opéra comique definiert sich als Stück, in dem sich Spiel- und Singszenen abwechseln, ähnlich dem deutschen Singspiel. Maßgeblich geprägt wurde das Haus durch die Arbeit des Regisseurs und Intendanten Walter Felsenstein, der zum Beispiel Verdis La Traviata und Offenbachs Ritter Blaubart inszenierte. Diese Inszenierungen genießen bis heute einen Ruf, der seinesgleichen sucht. Zusammen mit dem neuen Ensemble, Orchester und den hochkarätigen Dirigenten schuf Felsenstein eine völlig neue Gattung, das Musiktheater. Für diese kreative Hochphase ist die Komische Oper übrigens bis heute weltberühmt – hier wurde echt große Kunst gemacht.

1966 kam dann eine Ballettsektion dazu, das "Tanztheater der Komischen Oper". Auch hier hat es nicht lange gedauert, bis man internationale Anerkennung fand. Nach der Zeit Felsensteins liest sich die Liste der Verantwortlichen und derer, die zum Ruhm der Komischen Oper beigetragen haben wie ein who-is-who der internationalen Kulturszene. Da ist es kein Wunder, dass der Erfolg ungebrochen bleibt, auch wenn auch dieses Haus mit dem Wandel der Freizeitgestaltung zu kämpfen hat.

Komische Oper Berlin © Gunnar Geller

Wenn man kein italienisch kann, ist man hier gut aufgehoben

Und heute? In der komischen Oper wird noch immer große Kunst gemacht – Die aber nicht altbacken ist und oft gar nicht klassisch. Hier wird inszeniert auf Teufel komm raus, es wird neu interpretiert, modernisiert und manchmal auch völlig umgedeutet. Hier kann man Oper in jeder ihrer Formen sehen, von opulent über poetisch bis experimentell. Es wird aber nie das, was Kritiker der modernen Theaterlandschaft schön bildlich "Pipi-Kacka-Theater" nennen. Übrigens sind alle Stücke auf Deutsch, gemäß der Herangehensweise des ersten Intendanten: Felsenstein wollte die Oper allen zugänglich machen, ohne ständige Blicke auf die Übersetzung im Programmheft. Man sollte was mitbekommen von der Handlung, denn erst so wird sie zur persönlichen Erfahrung. Und diesen Fokus auf die persönliche Erfahrung hat sich die Komische Oper Berlin bis heute zum Glück erhalten. Man ist irgendwie näher am Geschehen. Apropos Geschehen: Eine neue Spielzeit steht an. Karten sind, je nach Platz und Aufführung, für erschwingliche 12 bis happige 72 € zu haben. Wobei auch die teuren Karten das Geld wert sind, wie gesagt, das hier ist kein besseres Laientheater, das hat Weltrang. Wer blutiger Opernanfänger ist, für den hat die Komische Oper auf ihrer Website den Oper-o-Mat im Angebot – schnell und einfach zur ersten Oper.

Beide Bilder: © Gunnar Geller

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Autor: Jens Hohmann The Club Map
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