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Rollschuh-Amazonen beim Roller Derby

Autor: CHRISTOPH PÖTHKE | 28.7.2014 |
Rollschuh-Amazonen beim Roller Derby

Dort, wo Schüler eigentlich im Kreis rennen und Bodenturnen sonst das Gefährlichste ist, rollt Pixie Parashoot schmerzhaft über den Boden. Kein Wunder: Rocca Rolldriguez hat die Situation erkannt und die Jammerin der Hamburg Harbor Girls gekonnt mit der Hüfte aus der Bahn befördert. Für jeden, dem diese Szenerie komisch vorkommt, gibt es eine Erklärung. Zwischen Sprossenwand und Doppelbock wird diesen Samstag nämlich Roller Derby gespielt. Die Atmosphäre in der Sporthalle des Wirtschaftsgymnasiums St. Pauli ist ausgelassen und erinnert an ein Handballspiel der Kreisliga; nur mit mehr Bier und lauter Rockmusik. Roller Derby, das ist eine Sportart, die ein wenig an Rugby auf Rollschuhen erinnert und vorwiegend von Frauen gespielt wird.

Rollerderby - die Hamburg Harbor Girls

Der Großteil der Spielerinnen trägt exotische Namen — Jaine van Paine und Looping Louise —, viel MakeUp und enge Trikots. Die Regeln sind auf den ersten Blick kompliziert. Alles wirkt bunt, chaotisch und etwas schwer überschaubar. Das scheint auch den Veranstaltern aufgefallen zu sein. Vor dem ersten Spiel werden dem Publikum die Regeln ausführlich von den Spielerinnen demonstriert und von der amerikanischen Moderatorin augenzwinkernd und in gebrochenem Deutsch kommentiert.

Ein Spiel, auch als "Bout" bezeichnet dauert ungefähr zwei mal 30 Minuten. In jedem Team gibt es vier Blockerinnen und eine Jammerin. Letztere sammelt Punkte, indem sie die gegnerischen Spielerinnen überholt. Die Blockerinnen hingegen versuchen, das zu verhindern und gleichzeitig der eigenen Jammerin zu helfen. Währenddessen probieren insgesamt sechs Schiedsrichter, die Ordnung zu wahren — während sich die Damen quer über die Rundstrecke schubsen, drängeln und blocken.

Rollerderby - die Hamburg Harbor Girls

Seine Ursprünge hat der außergewöhnliche Sport übrigens, wie sollte es anders sein, in den Vereinigten Staaten. Dort — genauer: in Chicago — veranstaltete Sportpromoter Leo A. Seltzer bereits 1935 ein Roller Derby. Nach ersten Fehlschlägen überarbeitete Mr. Seltzer die Regeln und die Sportart auf Rollschuhen feierte bis in die 70er hinein große Erfolge — und verschwand schließlich in der Versenkung. Erst in den späten Neunzigern tauchte das Roller Derby wieder in Amerika und Europa auf und ist mittlerweile mehr denn je mit Punk-Musik, der Rockabilly-Bewegung und Feminismus verbunden.

Rollerderby - die Hamburg Harbor Girls

Die Harbor Girls holen an diesem Abend übrigens den Sieg nach Hause und Rocca Rolldriguez freut sich, dass es mit ihrem ungewöhnlichen Sport trotz blauer Flecken voran geht. Wann und wo die Harbor Girls das nächste Mal spielen, entnimmt man am Besten ihrer Internetseite. Einen Blick ist der verrückte und bunte Kampf der Rollschuh-Amazonen allemal wert — nicht nur für Sportfans.

Weitere Infos:

http://www.harborgirls.de

 

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Autor: Christoph Pöthke Freier Autor
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