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Was machen wir heute? Den Plattenladen in Wilhelmsburg besuchen

Autor: AROMA BERLIN | 25.8.2014 |
Was machen wir heute? Den Plattenladen in Wilhelmsburg besuchen

Wilhelmsburg ist heute eine Spielwiese für Leute, die noch vor zehn Jahren gerne in das Schanzenviertel gezogen wären. Manche sagen Gentrifizierung dazu, manche nennen es Aneignung von Raum, einige freuen sich über noch bezahlbare Wohnungsmieten, andere sprechen von Aufwertung und viele sagen, sie werden von hier verdrängt. Oft sind das Menschen, die nach der Sturmflut 1962 in das schäbige, billige und unter Elbhöhe liegende Wilhelmsburg kamen.

Die Wahrheit ist so vielschichtig, wie die Begriffe für das, was in diesem Viertel gerade passiert. Die, die als erste mit ihren kleinen, experimentellen Läden und Ateliers kamen, klagen heute über steigende Mieten und sind Opfer einer Entwicklung, die sie selbst mit befeuerten. Und dann sind da noch die Leute, die schon in den 70er Jahren die Ecke entdeckten, um Kultur zu machen, und Menschen, die ein günstiges Reihenhaus in einer grünen Umgebung haben wollten. Zwischen all dem findet sich ein ganz besonderer Charme, der nach wie vor vorhanden ist und den man sich am besten zu Fuß und mit öffentlichen Verkehrsmitteln erarbeitet. Als ersten Einstieg bietet sich der legendäre 13er Bus ab der S-Bahn-Station Veddel an. Stellenweise mutet die Bustour wie ein urbanes Jurassic Park-Erlebnis an. Die Strecke geht durch das Reiherstiegviertel bis nach Kirchdorf Süd. Mittendrin befindet sich die Veringstraße, Haupteinkaufsmeile und ein kleines Universum auf engstem Raum. Zwischen traditionellem Metzger und Stempelhersteller befinden sich Billigläden und Telefongeschäfte mit Neonbeleuchtung – eine wilde Mischung aus Dingen, die man eventuell benötigt oder einfach nur wegen ihrer Abscheulichkeit lustig findet. Mittendrin gibt es immer wieder Perlen, die man so im Rest von Hamburg einfach nicht findet, wie zum Beispiel den Plattenladen.

Plattenladen Hamburg

Ich bleibe erst einmal im Bus sitzen und fahre bis Rathaus Wilhelmsburg. Die Fahrzeit sind bunte 20 Minuten, nicht umsonst gibt es zu diesem Bus einen Film. Die Erlebnisse meiner Fahrt reichen von ganz normalem Alltag bis hin zu wahrem Slapstick. Jugendliche bewerfen sich mit Wörtern, die jeden Jugendsprache-Duden das fürchten lehren. Mädchen schminken sich gegenseitig und machen Kaugummiblasen. Zeitweise ist der Ausstieg mit einem Rollator, zwei Kinderwägen und Einkaufstaschen komplett voll und es folgen akrobatische Ausstiegsübungen offensichtlich unsportlicher Menschen, was sowohl Rentner als auch Jungvolk nicht unkommentiert lassen. Von wegen die Hamburger reden nicht miteinander! Schimpfen geht allemal. Aber irgendwann kommt der Bus relativ leer am Rathaus Wilhelmsburg an und ich beginne meinen Spaziergang zurück Richtung Veringstraße, denn ich habe ein Ziel: den Plattenladen in Hamburg, der keiner ist.

Dieses Café zeigt die wohl leckerste Variante, ein Mischpult zu bedienen. Die Platten sind die zwei schwarzen Crêpeherde, auf denen frisch zubereitet und gemixt wird: Crêpes oder Piadinas in salzig oder süß als Grundausstattung. Oben drauf kann man sich nun frei nach Appetit austoben, das ist das Mischpult. Ob Prosciutto, Parmaschinken, Salami, sechs unterschiedliche Käsesorten und Salat oder Cremes, es darf alles frei nach Geschmack zusammengemixt werden. Das ganze System ist modular und kostet unterschiedlich je nach Wahl der Zutaten. Die Auswahl in süß ist ebenso reich an Varianten, hier gibt es alles von Schokolade über Mandeln bis hin zu Marmelade, sehr liebevoll zubereitet und eine Verführung schon beim Hinsehen. Fast schon selbstverständlich ist auch der Kaffee gut und in allen Varianten von Espresso bis Milchkaffee zu haben.

Plattenladen Hamburg

Die Atmosphäre ist angenehm entspannt, was zu einem guten Teil der Unaufgeregtheit der Umgebung geschuldet ist. Hetze oder Stress jedenfalls finden sich weder beim Koch am Plattenpult noch bei den Gästen im Café. Das ist der unbezahlbare Mehrwert dieses Cafés. Es ist zwar Teil des neuen Wilhelmsburg, aber es lädt auch das traditionelle Publikum ein. Viele Bewohner des Viertels nutzen den Plattenladen in Hamburg einfach nur als schönen Treffpunkt mit einem gemütlichen Holzambiente, an dem man gern länger verweilt. So gibt es beispielsweise spezielle Angebote für ein Mittagessen. Man merkt dem Café an, dass man sich um das Wohl seiner Gäste wirklich bemüht. Und als Endpunkt meines Spaziergangs ist es ein schöner Moment, sich mittendrin zu fühlen in allen Facetten dieses Stadtteils. Neben mir trinkt eine Gruppe junger Mädchen mit Kopftuch Latte Macchiato, vor mir sitzt ein junger Mann mit Bart und liest Philosophie und draußen sitzt ein älterer Mann mit seiner Tochter beim Kaffee. Wahrscheinlich macht genau diese Mischung den Charme aus, dank dem Wilhelmsburg die Reise über die Elbe wert ist. Egal ob als neue Heimat für die nächsten Jahre oder nur für einen Nachmittag .

Weitere Infos:

http://www.nordstarter.org/die-wilde-13

http://www.die-wilde-13.de/buch/

http://www.plattenladen-crepes.de/

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Autor: Aroma Berlin DJ Aroma
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