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Willi-Town Digga – was geht eigentlich in Wilhelmsburg?

Autor: JANNY SCHULTE | 5.12.2014 |
Willi-Town Digga – was geht eigentlich in Wilhelmsburg?

Als alteingesessener „Inner-City-Hamburger“ beobachtet man die Bemühungen der Stadtverwaltung Hamburgs, Wilhelmsburg zum neuen In-Viertel zu gentrifizieren, mit Skepsis.

Jeder kennt über Bekannten jemanden der da freiwillig hingezogen und anscheinend sogar glücklich ist. Man selbst wagt, seitdem die Mini-Open-Air-Rave-Manie in den letzten Jahren sprunghaft angestiegen ist, auch gerne mal „den Sprung über die Elbe“. Verfährt sich mit dem Fahrrad und landet je nach Verpeilungsgrad in Industriegebieten, Schrebergartenkolonien oder das, was man in Deutschland allgemein gerne als Ghetto bezeichnet.

Schön ist es da ja teilweise schon, in diesem Wilhelmsburg. Da fährt man gerade mal 15 Minuten mit der Bahn und ist einerseits zwar nicht aus der Stadt, aber steht trotzdem auf einer Streuobstwiese mit malerischer, norddeutscher Mühle, während die Kühe friedlich neben einem grasen. Was auffällig ist, sind die Blicke der Wilhelmsburger, wenn da plötzlich so eine Horde Hipster meint auf einem Acker den Generator anschließen zu müssen, eine Anlage und Bars aufzubauen und drei Tage durchzuraven und mit Glitzer um sich zu schmeißen.

Verständlich, denn die größte Binneninsel Europas war zwar schon immer irgendwie ein Teil Hamburgs, aber durch die geografische, durch die Elbe abgeschottete Lage, hat sie immer ihren Außenseiter-Charakter behalten.

Bis vor einigen Jahren lebten die Insulaner auch friedlich für sich auf ihrem Eiland und Wilhelmsburg war so uninteressant wie eh und je. Die Immobilien rotteten fröhlich vor sich hin und die einzigen die auf die Idee kommen sich hier niederzulassen sind Migrantenfamilien aus der Türkei, dem Ostblock und Afrika. Das soll sich jetzt ändern und das wird es auch, denn spätestens mit der Internationalen Bauausstellung und der Internationalen Gartenschau im letzten Jahr ist allen klar, Wilhelmsburg wird von oben gentrifiziert, komme was wolle. Mit großem TamTam wurden diese beiden Mammutprojekte in das Interesse der Öffentlichkeit gezerrt, um dann mit wehenden Fahnen auf ganzer Linie zu scheitern. Die IGS beispielsweise hat zweistellige Millionenverluste zu verzeichnen. Das ist ziemlich ungeil, aber den Bewohnern herzlich egal, die sind erst mal einfach nur froh, dass sie wieder in ihren Park gehen können, ohne 21€ Eintritt bezahlen zu müssen, um grillen zu können, oder mit ihren Kindern auf den Spielplatz zu gehen.

Wilhelmsburg


Steigt man dieser Tage in Wilhelmsburg aus der Bahn wirkt erst einmal alles recht trostlos.  Das IGS Gelände wirkt reichlich zerrupft und ungepflegt, jetzt wo die zahlenden Rentnerhorden wieder nach Hause gekarrt worden sind. Lange musste man auch die trostlose Baustelle des Luna Centers ertragen, doch vor wenigen Wochen hat dieses Einkaufscenter nun endlich eröffnet und brint Wilhelmsburg auch im Bereich Shopping voran.

Wer zudem genau hinguckt und sich auch mal mit „echten“ Wilhelmsburgern unterhält, erkennt viele Dinge die spannend werden können. Da ist zum einen der beeindruckende Funpark fünf Minuten von der S-Bahn Wilhelmsburg entfernt, der einiges zu bieten hat.

Neben einem krassen BMX- und Skatepool kann man hier Basket- oder Fußball spielen oder sich an den zahlreichen, fest installierten Sportgeräten austoben. Das ganze mit Flutlicht und das ist im Sommer schon eine Ansage. Kletterbegeisterte kommen von überall her um in der riesigen, neugebauten Nordwandhalle ihrem Hobby zu frönen. Wer kein Kletterprofi ist, aber trotzdem mal Lust auf den Nervenkitzel hat, ist im nebenan gelegenen Hochseilgarten gut aufgehoben. Und wer gar keinen Sport mag nimmt sich eine Decke mit und veranstaltet ein Picknick auf den umliegenden Rasenflächen, wahlweise auch mit Blick auf´s Wasser.

Auch kulinarisch ist hier seit Neuestem etwas geboten. Kaffee und Kuchen bekommt man im Wilhelms im Wälderhaus, das neben einem Hotel auch noch das „Science Center Wald“ beheimatet.

Bei gutem Wetter kann man hier herrlich in der Sonne sitzen.

Wilhelmsburg


Die schönste Entwicklung allerdings ist die, dass es jetzt auch in Wilhelmsburg einen Ableger des berühmten Mr. Kebab und des Kiosk 2000, bekannt und beliebt in St.Pauli, gibt. Die Familie stammt ursprünglich aus Wilhelmsburg und mit den neuen Strukturen und Möglichkeiten im Rücken will die 2te Generation die es geschafft hat, sich in der Innenstadt einen Namen zu machen, nun dem Viertel etwas zurück geben.

Das ist, neben dem ganzen HickHack, der dem Stadtteil zugemutet wird, mal eine wunderschöne Entwicklung.

Weitere Infos:

http://www.nordwandhalle.de/

http://www.waelderhaus.de/

 

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Autor: Janny Schulte Freie Autorin
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